4. Person

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Die 4. Person ist ein grammatikalischer Begriff, der von Liguisten benutzt wird, um Besonderheiten im System der Personen zu bezeichnen. Um die vierte Person abzugrenzen, werden zunächst die klassischen drei Personen vorgestellt.

Die ersten drei Personen

In den Indoeuropäischen Sprachen zeigt die finite Verbform die Peron, den Numerus, den Modus, das Tempus und das Genus verbi an, zum Beispiel „ich liebe“ ist 1. Person Singular Indikativ Präsens Aktiv. In anderen Sprachen können noch weitere Informationen integriert werden, zum Beispiel Informationen zum Objekt (Akkusativ-Objekt und Dativ-Objekt), Bezug zur angesprochenen Person und so weiter. Bei der Person unterscheidet man traditionell zwischen erster, zweiter und dritter Person.

Die erste Person ist der Sprecher, der Äußerungsträger (ich, wir), die zweite Person ist der Adressat, der Angesprochene (du, ihr) und die dritte Person ist die „Neutrale Sphäre“ (er, sie [Singular], sie [Plural]).

Das Wort „Person“ kommt aus dem Lateinischen, von „persona“, was „Maske“ bedeutet (einem Synonym zu „larva“). Das lateinische Wort ist {über Vermittlung aus den Etruskischen („phersu “ = „Maske“)} ein Lehnwort aus dem Altgriechischen, nämlich von „prosôpon“, was wörtlich von „nach vorne sehen“ kommt. „-ôpon“ kommt vom Futur des griechischen Wortes für „sehen“, nämlich „opsomai“. Außer „nach vorne sehen“ bedeutet „prosôpon“ „Gesicht“, dann, aus der Theater-Fachsprache auch „Maske“. Daraus entwickelte sich die Bedeutung 'die durch diese Maske versinnbildlichte „Rolle“' und weiter 'die diese Rolle darstellende „Person“ selbst'.

Auch die uns geläufige Nummerierung stammt von Dionysios Thrax (170/160 v. Chr. bis ca. 90 v. Chr.), dem Autor der ältesten bis heute überlieferten griechischen Grammatik, der formulierte: Es gibt drei Personen, die erste, von der die Rede ausgeht, die zweite, an die die Rede gerichtet ist und die dritte, über die geredet wird.

Das Modell der „lokalen Deixis“ spricht von Nahdeixis (Proximal, Sprecher), Medial (Deixis der zweiten Person) und Ferndeixis (Distal, Drucks der „dritten Person“, die weder Hörer noch Sprecher ist). Angemerkt wird bei den Stufen der lokalen Deixis, dass einige indigene Sprachen Amerikas und zum Beispiel das Singhalesische noch eine 4. Stufe haben, einen Raum, der sehr weit von Sprecher und Hörer entfernt ist. Wenn man von letzterem absieht, spricht man von einer Grundtrichomie.

Die Nummerierung der Personen ist meistens so üblich, allerdings gibt es auch das umgekehrte Nummerierungsmuster, zum Beispiel in der Terminologie der indischen Grammatik-Satzung, wo statt unserer „ersten“ Person der Sprecher als „uttamapurusa“ (letzte Person, d.h. die, von der die Rede ausgeht), statt unserer „zweiten“ Person der Hörer als „madhyamapurusa“ (mittlere Person, d.h. die, an die die Rede gerichtet ist und statt unserer „dritten“ Person die „neutrale Person“ als „prathamapurusa“ (erste Person, d.h. die, über die die Rede geht) bezeichnet wird. In der hebräischen Grammatik sagt man die die finiten Verbformen ebenfalls in der Reihenfolge 3-2-1 auf: er tötet, sie tötet, du (Mann) tötest, du (Frau) tötest, ich töte; sie töten, ihr (Männer) tötet, ihr (Frauen) tötet, wir töten.

Anzumerken wäre noch dreierlei:

Das Personalpronomen „er, sie“ ist erst dann sinnvoll, wenn vorher die dritte Person genauer benannt wurde, während das für die erste Person (ich) und die zweite Person (du) nicht der Fall ist.

Der Plural der ersten Person (ich) ist kein „eigentlicher“ Plural, kein „ich und ich“, sondern eine Kombination von erster Person Singular mit einer Person oder mehreren Personen der zweiten und/oder dritten Person, also „ich und du“, „ich und ihr“, „ich und er“, „ich und sie“ und so weiter. Aus diesem Grunde unterscheiden einige Sprachen auch zwischen „inklusivem Wir“ (einschließlich des Hörer beziehungsweise der Hörer) und „exklusivem Wir“ (ausschließlich des Hörers beziehungsweise der Hörer). Einige Sprachwissenschaftler überlegen ebenfalls für die zweite Person, ob der Plural ein „eigentlicher“ Plural ist (Thomas GEHLING).

Die dritte Person kann eine Person, aber auch eine Sache sein (es), hierfür könnten unterschiedliche Begriffe verwendet werden.

Die vierte Person (Allgemeines)

Eine besondere Referenz im Personensystem einiger Sprachen hat eine Reihe von Linguisten dazu veranlasst, von einer „vierten Person“ zu sprechen. Einerseits wird er verwendet, um innerhalb der dritten Person zu differenzieren, andererseits wird er für solche Fälle benutzt, die als Besonderheit angesehen werden, um sie vom System der drei Personen abzugrenzen.

Die 4. Person in Sprachen mit einer zusätzlichen Referenzdistiktion innerhalb der neutralen Sphäre

Hier werden zwei verschiedene Fälle unterschieden:

Die vierte Person (reflexiv)

In der moderneren Grammatik der Grönländischen Sprache wird der Begriff „4. Person“ zum Beispiel für Besitzverhältnisse, aber auch für Verben verwendet. Am Beispiel der Besitzverhältnisse soll es näher erläutert werden.

Er sieht sein Haus (das Haus eines Fremden). Die grönländische Form ist „illua“, es wird als 3. Person bezeichnet.

Er sieht sein Haus (sein eigenes Haus). Die grönländische Form ist „illuni“, es wird als 4. Person bezeichnet.

Ein anderes Beispiel ist Lango, eine nilotische Sprache.

Der König erinnert sich, dass er selbst die Tür aufgemacht habe (ecégò).

Der König erinnert sich, dass er/sie (wer anderes) die Tür aufgemacht habe (océgò).

(Hier ist der Literatur nicht zu entnehmen, welcher Fall die dritte, welcher die vierte Person darstellen soll.)

Die vierte Person (obviativ)

Diese vierte Person bezieht sich auf die Unterscheidung von Fernsubstitution von Nahsubstitution. Statt hier eine „vierte Person“ einzuführen, könnte statt dessen von „Logophorizität“ „Switch Reference“ gesprochen werden (während die betroffenen Pronomina entsprechend als „logophorische Pronomina“ bezeichnet werden können). Durch die Einführung der vierten Person soll „obviativ“ von „proximat“ unterschieden werden. Mit Nah- und Fernsubstitution ist eher das in der sprachlichen Rede bestehende Verhältnis als das tatsächlich räumliche Verhältnis gemeint.

Die vierte Person (Dual bzw. Plural des inklusiven Wir)

Das System der Personalpronomen der Hannóo (Philippinen) ist traditionell so geordnet:

kuh 1. SG (Singular), muh 2.SG, yah 3.PS, tah 1PD (erste Person Dual, ich und du), mih 1.PL exkl (Plural exklusiv, ich und er/sie), tam 1.PL inklusiv (Plural inklusiv, ich und ihr), yuh 2. PL, dah 3. PL

Um dieses asymmetrische System mit isolierter Dual-Form der ersten Person in ein symmetrisches System umzuformen, nahm CONKLIN folgende Umgruppierung vor:

Singular: kuh (ich), muh 2. (du), tah (ich und du), yah (er,sie[Singular])

Plural: mih (ich und er/sie[Singular]), yuh (ihr), tam (ich und ihr), dah (sie[Plural])

So entstand ein symmetrisches System mit zwei Spalten zu je vier Formen.

Entsprechend wurden die Personalpronomen der Tiwi (Australien) sortiert; die Form des inklusiven Dual (ich und du) wird als 4. Person Singular, die Form des inklusiven Plural (ich und ihr) als 4. Person Plural bezeichnet (die erste Person Plural stellt das exklusive Wir [ich und er/sie und so weiter] dar.)

nach OSBORNE 1974, 54

Hier wird der linguistische Begriff „4. Person“ also für eine Kombination aus Personen verwendet.

Alternative

Von anderen Linguisten wird versucht, statt des Terminus „vierte Person“ andere Begrifflichkeiten zu verwenden. Die von diesen Autoren verwendete Terminologie erscheint im Hinblick auf den Personenbegriff weniger missverständlich. GEHLING formuliert: Angesichts der Tatsache, dass terminologische Alternativen bestehen, kann die Notwendigkeit des Ausdrucks „vierte Person“ in Abrede gestellt werden.

FORCHHEIMER: „All the subdivions of the third person follow from its place on the deictic scale. There is no room in our definition for a fourth person.“ 1953:22 (Alle Unterteilungen der dritten Person folgen aus dem Platz aus der Deixis-Skala. Dort ist in unserer Definition für eine vierte Person klein Platz (Formulierung trifft den ersten Fall „zusätzliche Referenzdistiktion“).

Resumee

Wenn man den Terminus „vierte Person“ verwendet, sollte man immer noch explizit angeben, welchen der oben genannten Fälle man meint.

Literatur

  • Thomas Gehling, 'Ich', 'du' und Andere, Eine sprachtypologische Studie zu den Kategorien »Person« und »Numerus«, LIT Verlag
  • Hardarik Blühdorn, Eva Breindl, Ulrich H. Waßner, Text - Verstehen, Grammatik und darüber hinaus, Walter de Gruyter

Weblinks