Aelia Capitolina

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Aelia Capitolina auf der Mosaikkarte von Madaba
Reste des Cardo Maximus in Aelia Capitolina
Huldah-Tore

Aelia Capitolina war eine römische Koloniestadt, die durch den römischen Kaiser Hadrian auf den Ruinen der 70 n. Chr. durch Titus zerstörten Stadt Jerusalem erbaut wurde. Aelia Capitolina war der offizielle Name der Stadt von 135 n. Chr. bis 638 n. Chr., als die Araber die Stadt eroberten. Der Stadtname (Colonia) Aelia Capitolina leitet sich von Hadrians Gentilnamen Aelius ab, wobei sich Capitolina auf den römischen Kapitolhügel bezog, das Zentrum der Verehrung des römischen Hauptgottes Jupiter. Auf dem Tempelberg wurde ein Tempel des Jupiter Capitolinus errichtet.[1]

Geschichte

Jerusalem war am Ende des Jüdischen Kriegs im Jahre 70 n.Chr. vollständig zerstört: Flavius Josephus schreibt, dass Jerusalem … so gründlich dem Erdboden gleichgemacht war, dass nichts mehr übrig war, so dass kein Besucher mehr davon zu überzeugen war, dass hier jemand gewohnt haben sollte.[2] Der römische Kaiser Hadrian beschloss im Jahre 130 n.Chr. Jerusalem wiederaufzubauen. Dafür entließ er den wegen seiner Brutalität bekannten Statthalter von Judäa Lusius Quietus. Hadrian ließ ihn mit drei weiteren Konsularen, die enge Vertraute Trajans gewesen waren, des Verrats anklagen und hinrichten. Unter Hadrian entstand die säulenumstandene Ost-West-Achse (Decumanus), die zur heutigen Klagemauer führt, wo der frühere Jahwe-Tempel vermutet wird. Wieder erbaut wurde auch das Goldene Tor, die Hulda-Tore sowie das Damaskustor.

Nachdem Hadrian den Nahen Osten verlassen hatte, wurde Quintus Tineius Rufus zum Statthalter von Judäa und es brach der Bar-Kochba-Aufstand aus. Nach dem Bar-Kochba-Aufstand im Jahre 135 änderte Hadrian den Namen der Provinz Judäa zur Provinz Syria Palaestina und Jerusalem zu Aelia Capitolina. An der Stelle des vormaligen Jahwe-Tempels wurde ein großer Tempel für Jupiter Capitolinus sowie ein Aphrodite-Tempel errichtet. Zudem wurde der Ecce-Homo-Bogen erbaut.

Nach christlicher Überlieferung verbot Hadrian nach dem Bar-Kochba-Aufstand Juden unter Androhung der Todesstrafe den Zutritt zur Stadt. Sie durften angeblich nur am Tischa beAv am neunten Tag des Monats Av die Stadt aufsuchen, ein jüdischer Fast- und Trauertag, an welchem der Zerstörung des Jerusalemer Tempels gedacht wird. In der nichtchristlichen Überlieferung findet sich dieses Verbot jedoch nicht und spätestens seit severischer Zeit scheint es wieder eine kleine jüdische Gemeinde in der Stadt gegeben zu haben. Hingegen gab es nach dem Aufstand keine judenchristliche Gemeinde in der Stadt, während eine heidenchristliche Gemeinde Bestand hatte. Eusebius von Caesarea berichtet nicht nur von der angeblichen Vertreibung der Juden aus der Stadt, sondern überliefert auch eine lückenlose zunächst judenchristliche, später heidenchristliche Bischofsliste für Jerusalem, die allerdings als Konstrukt unter den Bischöfen Narcissus oder Alexander erstellt wurde, die damit ihre Autorität im Osterfeststreit sichern wollten.

Im Zuge der Verlegung der legio X Fretensis während der Regentschaft von Diokletian in die Stadt, erhielt diese wieder einen Mauerring als Stadtmauer. Im Zuge der Ergebnisse des Konzils von Nikaia im Jahr 325 und der Politik von Kaiser Konstantin wurde die Stadt zu einem christlichen Mnemotop (Erinnerungsort). Im Bereich der Tempelanlagen zum Gedenken an die Himmelfahrt Christi errichtet, am Ölberg eine Basilika zum Gedenken an die Auferstehung. Diese Bautätigkeit fügte sich in weitere ähnliche Errichtungen derartiger Bauwerke, etwa einer Basilika in Bethlehem zum Gedenken an die Menschwerdung Jesu. Auf Initiative der Kaiserinmutter Helena wurde die Grabeskirche errichtet. Weitere Bauten folgten auf das Erste Konzil von Konstantinopel im Jahr 381, als die Hagia Sion zur Erinnerung an die Herabkunft des Heiligen Geistes errichtet wurde. Noch vor 391 folgte die Gethsemane-Kirche am Fuß des Ölbergs. Nach der Reichsteilung von 395 wurde die Stadt Teil des Byzantinischen Reichs. Während des Konzils von Chalkedon im Jahr 451 wurde Jerusalem zum Patriarchat erhoben. Dennoch hielt die monastische Bewegung der Stadt zunächst zu den Gegnern der Beschlüsse von Chalkedon. Die folgende Zeit war durch Wirren geprägt, die auch die erstmalige Erwähnung des Mariengrabes ebenso wie die Errichtung von Kirchen an der Stelle des Hauses des Kajaphas und des Prätoriums des Pontius Pilatus, die Hagia Sophia, mit sich brachten. Kaiserin Eudokia ließ die Stadtmauer nach Süden erweitern. Unter Justinian I. wurde 543 die große Kirche Nea Maria errichtet, die dazu dienen sollte, der immer gewaltiger werdenden Pilgerströme Herr zu werden. Zur Kirche gehörten ausgedehnte Hospizanlagen. 614 wurde die Stadt von Sassaniden erobert, die Zerstörungen wurden mit deren Hilfe aber schnell wieder beseitigt. 630 oder 631 konnte das Byzantinische Reich die Stadt noch einmal zurück erobern, sie fiel zwischen 635 und 638 aber endgültig an die Heere der expandierenden islamischen Herrscher. Die Kirchen blieben unangetastet und in Anknüpfung an die ältere jüdische Tempeltradition wurde die al-Aqsa-Moschee 638 unter ʿUmar ibn al-Chattāb zunächst als Holzbau errichtet. 692 wurde dieser unter Abd al-Malik durch einen Steinbau ersetzt und durch den Felsendom ergänzt. Von da an schlug die Entwicklung der Stadt eine eigene, neue Linie ein.

Stadttopografie

Der Stadtgrundriss von Aelia Capitolina war die einer typischen römischen Stadt. Einer der Hauptverkehrsstraßen war der Jerusalemer Cardo. Diese säulengeschmückte Nord-Süd-Achse wird auf der Mosaikkarte von Madaba gezeigt und begann am nördlichen Tor, dem heutigen Damaskustor. Sie durchquerte die Stadt in einer geraden Linie von Norden nach Süden, flankiert vom Forum und Tempel der Venus (heute mit der Grabeskirche überbaut), und führte zur Nea-Kirche. Die andere Hauptverkehrsstraße war die säulenumstandene Ost-West-Achse (Decumanus), die zur heutigen Klagemauer führt, wo der frühere Jahwe-Tempel vermutet wird. Römische Bauwerke sind der Ecce-Homo-Bogen, das Goldene Tor, die Hulda-Tore sowie das Damaskustor.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Thorsten Opper: Hadrian. Machtmensch und Mäzen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-534-22999-4, S. 90.
  2. Josephus, Jewish War, 7:1:1 auf attalus.org