Agathe Israel

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Agathe Israel (* 1949 als Agathe Köhler) ist eine deutsche Psychiaterin, Psychoanalytikerin und Autorin. Ihr Schwerpunkt in Forschung und Publikationen ist die Psychologie von Frühgeborenen, Säuglingen und der Eltern-Kind-Beziehung.

Leben

Agathe Israel wuchs in der DDR auf und studierte Medizin in Jena. Anfang der 1970er beteiligte sie sich als Ärztin an der Sozialpsychiatriereform in Leipzig.[1] So initiierte sie die Anwendung der im staatlichen Gesundheitswesen der DDR weitverbreiteten Intendierten Dynamischen Gruppenpsychotherapie aufs Jugendalter und setzte diese gemeinsam mit ihrem Leipziger Team um.[2] 1986 promovierte sie an der medizinischen Fakultät der Universität Leipzig mit einer Dissertation zum Thema Die neuropsychiatrische Versorgung im Kindes- und Jugendalter im Bezirk Leipzig.[3] 1988 wurde Israel für die Kinder- und Jugendpsychotherapie im Fachkrankenhaus für Neurologie und Psychiatrie Berlin-Lichtenberg (1992 fusioniert zum Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge, kurz KEH) gewonnen und mit der Bildung eines Bereichs für Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter mit 50 Behandlungsplätzen beauftragt.[4] Sie wurde Leiterin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie im KEH Berlin.[5]

Israel ist Fachärztin für Neurologie/Psychiatrie, für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie für Psychotherapeutische Medizin, ferner Psychoanalytikerin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.[6] Sie ist Lehranalytikerin der DGPT.[5] Nach langer Tätigkeit in der stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitet sie jetzt (Stand 2015) in eigener Praxis mit dem Schwerpunkt Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie in Neuenhagen bei Berlin.[7] Sie gehört der Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten in Deutschland e. V. (VAKJP) an und ist dort Ansprechpartnerin für die neuen Bundesländer.[8] Des Weiteren ist sie als Dozentin und Referentin tätig.

Sie ist Mitbegründerin und Vorstand des Institut für Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie in Berlin (IAKJP), heute mit dem Zusatz Esther Bick.

Forschung

Israel hat die psychischen Folgen der öffentlichen Früherziehung in der DDR untersucht und aus psychologischer Sicht die wesentlichen Merkmale der Abwertung von kindlicher Entwicklungslangsamkeit in der von ihr so genannten „Erziehungsdiktatur“ DDR geprägt. Ihre Untersuchungen wurden von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.[9][10] Sie beschreibt eine sehr frühzeitige Herauslösung aus der Familie: „Frühkindliche Deprivation, also Beraubung der wesentlichsten Erfahrung ‚Geborgenheit‘ waren die Folge.“[11]

Die Bundesstiftung Aufarbeitung sieht in der Studie Krippen-Kinder in der DDR, die „auf umfangreichen qualitativen Interviews mit 20 ehemaligen Krippenkindern, die heute eigene Kinder in frühkindlichen Erziehungseinrichtungen untergebracht haben“ beruht, „einen wegweisenden Beitrag zur aktuellen Diskussion um Kleinkinderbetreuung in Deutschland“.[12]

Israel befasst sich ferner mit der Erforschung frühen Erlebens und mit Frühgeborenen- und Säuglingsbeobachtung.[7]

Veröffentlichungen

  • Kindheit in der DDR. Repressive Erziehung und ihre Folgen. In: Psychomed. 2 II 1990, S. 104–107.
  • Analytical implications in the Intended Dynamic Group Psychotherapy. In: Psychologische Beiträge, 35. Jg., Nr. 4, 1993.
  • Die Entwicklung früher Objektbeziehungen im Spiegel einer Säuglingsbeobachtung. In: Forum der Psychoanalyse – Zeitschrift für klinische Theorie und Praxis, 17. Jg., Nr. 2, Springer, Juni 2001, Vorlage:ISSN, S. 140–157.
  • Am Anfang war die Trennung. In: Publik-Forum, Nr. 13/2001, 13. Juli 2001 (online).
  • Suchet, so werdet ihr finden – unsere unruhigen Kinder. In: Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie, 34. Jg., Heft 117, 1/2003, Brandes & Apsel, ISBN 3-86099-837-4, S. 43–59.[13]
  • als Hrsg.: Der Säugling und seine Eltern. Die psychoanalytische Behandlung frühester Entwicklungsstörungen. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-86099-861-8.
  • mit Björn Reißmann: Früh in der Welt. Das Erleben des Frühgeborenen und seiner Eltern auf der neonatologischen Intensivstation. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-86099-870-0.[14]
  • mit Ingrid Kerz-Rühling (Hrsg.): Krippen-Kinder in der DDR. Frühe Kindheitserfahrungen und ihre Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung und Gesundheit. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-86099-869-4.[15][16][12]
  • Frühe Kindheit in der DDR. In: Kinderanalyse, 16. Jg., Heft 2, April 2008, S. 100–127 (gekürzte Fassung online).[17][18]
  • Aspekte der Selbstentwicklung und frühe Fremdbetreuung. In: Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie, 40. Jg., Heft 142, 2/2009, Brandes & Apsel.
  • Das Dritte in der Inneren und äußeren Welt des Kindes, dargestellt am Beispiel einer Säuglings-Eltern-Psychotherapie. In: Peter Diederichs: Äußere und innere Realität: Theorie und Behandlungstechnik der Psychoanalyse im Wandel. Klett-Cotta, 2011, ISBN 978-3-608-94667-3, S. 239–260.
  • Beiträge in: Michael Geyer (Hrsg.): Psychotherapie in Ostdeutschland. Geschichte und Geschichten 1945–1995. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-40177-4 (teilweise einsehbar bei Google Books).
    • Entwicklung der Kinderpsychotherapie I. S. 117–125.
    • Entwicklung der Kinderpsychotherapie II – Die 1960er Jahre. S. 218 ff.
    • Entwicklung der (analytischen) Kinderpsychotherapie III – Die 1970er Jahre. S. 437 ff.
    • Entwicklung der (analytischen) Kinderpsychotherapie – die 1980er Jahre. S. 571 f.
    • mit Michael Scholz: Die Entwicklung der Kinder- und Jugendpsychotherapie im Leipziger Raum. S. 573–578.
  • Krippenerziehung in der DDR – Frühe Kindheit in der staatlichen Institution. In: KiTa Fachtexte, einer Kooperation der Alice Salomon Hochschule Berlin, Fröbel-Gruppe und der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF), November 2015, 29 Seiten (PDF; 651 kB).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Agathe Israel: Entwicklung der Kinderpsychotherapie I. In: Michael Geyer (Hrsg.): Psychotherapie in Ostdeutschland. Geschichte und Geschichten 1945–1995. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-40177-4, S. 117–125, hier S. 117; vgl. Rezension, in der sich auch Agathe Israel gewidmet wird.
  2. Bettina Sauer, Jan Steinitz: Die Intendierte Dynamische Gruppenpsychotherapie mit Jugendlichen im stationären Setting. In: Christoph Seidler, Irene Misselwitz (Hrsg.): Die Intendierte Dynamische Gruppenpsychotherapie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-45879-7, S. 203 ff. (Google Books).
  3. Mit Anne-Christin Hoffmann: Die neuropsychiatrische Versorgung im Kindes- und Jugendalter im Bezirk Leipzig: eine evaluative Ersterhebung. Leipzig, Univ., Fak. für Medizin, Diss. A, 1986, Vorlage:DNB.
  4. In Dienst für „Kinder, die anders sind“. In: Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge: KEH-Report, Oktober 2009, S. 9 (PDF; 787 kB).
  5. 5,0 5,1 „Tag der Psychoanalyse“ in Rheinland-Pfalz. Referenten. Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie, Landesverband Rheinland-Pfalz, Flyer zur Veranstaltung am 7. November 2015, abgerufen am 21. Juni 2016 (PDF; 3,4 MB).
  6. Agathe Israel: Frühe Kindheit in der DDR. In: Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (Hrsg.): Psychoanalyse Aktuell, 1. September 2008, abgerufen am 19. Juni 2016.
    Sommersemester 2016: Dozenten-, Supervisorenverzeichnis. Institut für analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie – Esther Bick. Förderverein für kleinianische Psychoanalyse und Weiterentwicklungen Berlin-Brandenburg e. V., Berlin, S. 35 (PDF; 215 kB).
  7. 7,0 7,1 Agathe Israel: Krippenerziehung in der DDR – Frühe Kindheit in der staatlichen Institution. In: KiTa Fachtexte, einer Kooperation der Alice Salomon Hochschule Berlin, Fröbel-Gruppe und der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF), November 2015, S. 3 (PDF; 651 kB).
  8. Vorlage:Webarchiv
  9. Barbara Leitner: Einheitsfrust Ost. Forscher präsentieren sozialwissenschaftliche Befunde. Deutschlandfunk, 22. März 2007, abgerufen am 19. Juni 2016.
  10. Liste der von der Bundesstiftung Aufarbeitung geförderten und herausgegebenen Publikationen. Stand: Dezember 2015. Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, S. 21, abgerufen am 21. Juni 2016 (PDF; 357 kB).
  11. Gudrun Stenzel: Kinder lesen – Kinder leben. Beltz Juventa, 2005, ISBN 3-7799-0993-6, S. 87.
    Agathe Israel: Kindheit in der DDR. Repressive Erziehung und ihre Folgen. In: Psychomed. 2 II 1990, S. 104.
  12. 12,0 12,1 Krippen-Kinder in der DDR. Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Pressemitteilung vom 29. August 2008, abgerufen am 22. Juni 2016.
  13. Als Literatur angeführt in: Bernd Ahrbeck: Hyperaktivität: Kulturtheorie, Pädagogik, Therapie. Kohlhammer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-17027-684-0.
  14. Rezension von Ulfried Geuter: Zerbrechliche Wesen. Deutschlandradio Kultur, 23. November 2008, abgerufen am 20. Juni 2016.
  15. Rezension von Uschi Geiling: Krippenkinder aus der DDR. Deutschlandfunk, 2. Februar 2009, abgerufen am 20. Juni 2016.
  16. Vgl. auch Martin Textor über das Werk in: Das Kita-Handbuch, abgerufen am 22. Juni 2016.
  17. Vgl. dazu: Simone Berrouschot: Einige Überlegungen zum Artikel von Agathe Israel: „Frühe Kindheit in der DDR“. In: Kinderanalyse, 16. Jg., Heft 2, April 2008, S. 128–131.
  18. Vgl. auch: Maria Johne: Kommentar zum Artikel von Agathe Israel: „Frühe Kindheit in der DDR“. In: Kinderanalyse, 16. Jg., Heft 2, April 2008, S. 132–136.

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