Agent*In

Aus Deletionpedia.org
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ready to be deleted.


Vorlage:Export Agent*In ist ein geschlossenes Wiki, das Informationen über Netzwerke, Organisationen und Personen mit antifeministischen Positionen sammelt und bereitstellt. Es wurde im Juli 2017 veröffentlicht. Das Akronym steht für Anti-Gender-Networks-Information. Die Website wird vom Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung betrieben.[1] Vor allem wegen der Artikel über Einzelpersonen wird Agent*In kritisch rezipiert.

Historie

Die Website ging am 17. Juli 2017 mit rund 500 Einträgen, davon ca. 177 zu Personen, online. Anfang August 2017 wurden zahlreiche kritische Kommentare in Zeitungen und Online-Portalen veröffentlicht. Das Wiki ist seit dem 4. August 2017 nicht mehr aufrufbar. Ein Text informiert, dass die Seite derzeit überarbeitet und erweitert werde, um sie verständlicher und vielfältiger zu machen. Die „gewählte Form“ habe „die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung zu Antifeminismus überlagert.“[2]

Am 4. August 2017 wurde durch das Blog Deus ex Machina auf faz.net bekannt, dass bis zum vorübergehenden Abschalten des Wikis Sicherheitslücken vorhanden waren, die jedermann durch das manuelle Anfügen wikimedia-üblicher URL-Templates in das Adressfeld des Browsers das Abrufen auch von auf der Hauptseite nicht verlinkten Informationen ermöglichten, darunter auch Artikelentwürfe, Versionsgeschichten der Artikel und eine Liste der Accountnamen des anonym gehaltenen Autorenkollektivs. Von Seiten des Blogs seien die Betreiber seit 30. Juli 2017 per Twitter und Email über diese Lücken informiert gewesen.[3]

Funktionen und Charakterisierung

Die Website Agent*In möchte über Ideologien, Kampagnen, Organisationen und Personen informieren, die von den Autoren dem Antifeminismus zugerechnet werden. Diese werden in Kategorien eingeordnet, „z.B. als maskulistisch, antifeministisch, ultrakatholisch oder rechtspopulistisch“. Es sollen angebliche Einflussnahmen auf die Politik in Deutschland aufgezeigt werden und Journalisten, Aktivisten, Multiplikatoren sowie Bildungseinrichtungen die Möglichkeit eröffnet werden mittels eigener Recherche die entsprechenden Zusammenhänge hinsichtlich der beteiligten Personen, Parteien und Organisationen zu erkennen.[4] Die Redaktion besteht aus Henning von Bargen, Andreas Kemper und Elisabeth Tuider. Die Artikel selbst werden von einer Gruppe ehrenamtlich tätiger Autoren verfasst, die der Redaktion namentlich bekannt sind, deren Identitäten jedoch nicht bekanntgegeben werden. Unterstützt werden diese durch Honorarkräfte. Agent*In ist ein geschlossenes Wiki, das auf der Software MediaWiki basiert.[5]

Rezeption

Bernd Matthies bezeichnete in einer Glosse im Tagesspiegel die Plattform als „denunziatorische Liste von Organisationen und Namen“, die sich „wie eine Art Verfassungsschutzbericht der Gender-Szene“ lese. Er bemängelte die fehlende Differenzierung der auf Agent aufgeführten Akteure: alles werde „in den Sack „Anti-Feminismus und Gender-Kritik“ gesteckt und gleich geprügelt [...]“.[6] Henryk M. Broder beschrieb in einem Gastkommentar in der Welt die Plattform als „Webseite, auf der 'antifeministische' Personen denunziert werden“ sowie als „skurriles Dossier“ und Massendenunziation von Menschen, die lediglich andere Meinungen verträten als die Verfasser.[7] Milena Zwerenz von ze.tt, der Onlineplattform der Zeit für junge Leser, bemängelte den geringen Informationsgehalt des Angebots. Das Wiki werfe mehr Fragen auf, als Antworten zu geben. Es löse „selbst bei denen, die Antifeminismus und Homophobie bekämpfen wollen, einen merkwürdigen Beigeschmack“ aus.[8] Carolina Schwarz von der Tageszeitung kritisierte das Fehlen von Fakten und transparenten Arbeitsweisen. Das Projekt habe einfache Muster ihrer Gegner übernommen und es den Kritikern leicht gemacht: „solche Listen zu erstellen, ist sonst eher von Rechten bekannt“. Die Antifeminismus-Liste ziehe „den Vorwurf des „Online-Prangers“ auf sich“.[9] Das Magazin Vice bezeichnet das Projekt zwar als „unfein und undifferenziert“ aufgebaute „Bäh-Liste (...) für Menschen und Organisationen, deren kleinster gemeinsamer Nenner traditionelle Geschlechterrollen sind“, attestiert ihm aber auch die Funktion einer „Plattform“ für „das Problem Anti-Feminismus“: „Vielleicht nicht auf die feinste, aber sicherlich auch nicht wirklich auf denunziatorische Art“.[10]

Kathleen Hildebrand, Redakteurin der Süddeutschen Zeitung, kritisierte das Wiki, das durchaus darauf abziele, „dass Vertreter antifeministischer Positionen nicht mehr zufällig in den Medien zu Wort kommen, sondern möglichst erst, nachdem sich ein Journalist über sie auf agentin.org informiert“ hätte. Sie stellte auch einen Bezug zum antifeministischen Portal Wikimannia her, das ein „Hetzportal“ sei, dessen Betreiber anonym bleiben und „sich rechtlicher Verfolgung, etwa wegen Beleidigung, entziehen“. Die Autoren von Agent*in verzichteten hingegen auf hetzerische Sprache. Das Wiki sei als ein Teil der Dynamik zu sehen, „mit der sich Debatten über Geschlechterfragen in den vergangenen Jahren im Internet radikalisiert haben.“[11] „Hier steht, wer alles doof ist,“ titelte Spiegelkolumnistin Margarete Stokowski und meinte: „Es ist nicht gut, Listen von Menschen nach politischer Gesinnung anzulegen. Siehe: Weltgeschichte.“ Ihre Konklusion: „So kämpft man nicht für Gleichberechtigung.“[12] Matthias Iken meinte im Hamburger Abendblatt: „die "Agent*innen paaren erschreckende Humorlosigkeit mit einem stasihaften Verfolgungswahn".[13]

Henning von Bargen wies gegenüber der Süddeutschen Zeitung den Vorwurf des Prangers und der Diffamierung zurück. Das Wiki würde sich an Menschen richten, die wissen wollten, „welche Gruppen und Personen antifeministische Positionen verbreiten wie die, dass die "Gender-Ideologie" Ehe und Kernfamilie abschaffen wolle. Oder dass Feminismus gleichzusetzen sei mit Männerhass“.[11]

Einzelnachweise

Weblinks