Akademische Burschenschaft der Glanzenburger

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Die akademische Burschenschaft der Glanzenburger ist eine Studentenverbindung in Zürich. Sie ist die einzige Burschenschaft des Schweizerischen Studentenvereins und wurde 1959 von Eugen Theodor Rimli als Katholische Burschenschaft der Glanzenburger gegründet.

Geschichte

Namensherkunft

Der Name der Burschenschaft geht auf eine mittelalterliche Burganlage der Freiherren von Regensberg zurück. Lütold V. soll 1240 das Städtchen Glanzenberg am gegenüberliegenden Limmatufer des heutigen Dietikon gegründet und die vorbestehende Burg Fahr («Glanzenburg») ausgebaut haben. Glanzenberg und -burg sollen 1267/68 während der Regensberger Fehde von Graf Rudolf IV. von Habsburg im Auftrag der Stadt Zürich zerstört worden sein. 1301 verkaufte Lütold VIII. das Gebiet Glanzenbergs dem Kloster Fahr, das bis heute Grundeigentümerin ist. Die Burgruine ist heute ein kulturhistorisches Denkmal des Kantons Zürich.

Die Gründungszeit

Die Gründung der Burschenschaft ist eng verbunden mit der Person von Eugen Theodor Rimli. Nach einem Fuxensemester bei der AKV Alemannia zu Freiburg im Üechtland trat er während seines Studiums in Bonn in den 1930er Jahren der KDB Sigfridia bei. Zur Zeit der Zwangssuspendierung der KDB Sigfridia im Jahr 1936 durch das NS-Regime, war er Ringführer im Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften. Im selben Jahr wird Rimli als Auslandkorrespondent wegen «unsachlicher, gehässiger Artikel in Schweizer Zeitungen» aus Deutschland ausgewiesen. Seine journalistische Tätigkeit setzte er anschliessend in der Schweiz fort. Nach 1945 engagierte er sich für die Wiedergründung katholischer Burschenschaften, allen voran der KDB Sigfridia. Altherren aus den katholischen Burschenschaften Deutschlands und Österreichs sammelten sich während dieser Zeit in der Bodenseeregion. Im Wintersemester 1955/56 wurde erstmals auf dem Hochschulplatz Zürich der Kontakt mit Studenten gesucht, um eine katholische Burschenschaft zu gründen. Rimli lernte im Sommer 1957 den Verbindungsstudenten Adolf Alois Steiner kennen, der seine Idee zur Gründung einer katholischen Burschenschaft in Zürich unterstützte. Im Winter 1958/59 wurden mit Jacques Barman, Sándor Leitner und Hans Peter Held drei Studenten für die Gründung der Burschenschaft gefunden. Die Gründung der Katholischen Burschenschaft der Glanzenburger zu Zürich erfolgte am 17. Juni 1959 in der Gaststätte Winzerhaus in Weiningen ZH mit der Signierung ihrer Grundsätze durch die fünf Gründer.

Gründerjahre: 1959 bis 1973

Der Publikationskommers der Burschenschaft offenbarte das schwierige Verhältnis zu den zürcherischen Sektionen des Schweizerischen Studentenvereins und zum zürcherischen Corporationen Verband, welche die Veranstaltung boykottierten. Der Schweizerische Studentenverein kritisierte die Aufnahme von Mitgliedern ungeachtet ihrer Nationalität oder politischen Einstellung durch die KB Glanzenburger. Die Burschenschaft stand unter dem Eindruck, germanophil zu sein. Die Glanzenburger sahen aufgrund ihrer im allumfassenden Sinne katholischen und burschenschaftlichen Prinzipien den Schweizerische Studentenverein wiederum als zu konservativ, zu wenig studentisch korporativ und zu wenig international studentisch-solidarisch an. Die Öffnung des Schweizerische Studentenverein gegenüber Ausländern am Zentralfest Sitten von 1962 führte zu keiner Entspannung der Beziehungen. Der zürcherische Senioren Convent der deutschsprachigen StV-Verbindungen beschloss 1964 den Boykott des 5. Stiftungsfests der KB Glanzenburger. Am 12. Juli 1964 lehnte der zürcherische Corporationen Verband einen allfälligen Beitritt der KB Glanzenburger ab.

Fokus auf Deutschland und Österreich

Die KB Glanzenburger suchte aufgrund der schwierigen Verhältnisse in Zürich den Kontakt zum Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften. An der Ringtagung des RKDB in München vom 5. bis 7. März 1965 wird der Ring Katholischer Burschenschaften (RKB) als Dachverband gegründet, der Landesverbände katholischer Burschenschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz angehören. Durch eine Regelung in den Statuten des RKB konnte die KB Glanzenburger als einzige katholische Burschenschaft der Schweiz mit einem Landesverband gleichgesetzt werden. Die KB Glanzenburger engagierte sich stark für das Gelingen des RKB, doch bereits an dessen Ringtagung im Jahre 1966 zeichneten sich Schwierigkeiten für den Dachverband ab. Die Burschenschaften des neu gegründeten österreichischen Landesverbandes fanden kaum Mitglieder und mehrere Burschenschaften mussten inaktiviert werden.

Die KB Glanzenburger nahm an der ausserordentlichen vereinigten Ringtagung des RKDB und RKB im Jahr 1967 in Freiburg im Breisgau eine umfassende Reform der RKB-Statuten in Angriff. Die Landesverbände sollten zugunsten eines handlungsfähigen RKB abgeschafft werden. Der Dachverband sollte entnationalisiert und den einzelnen Burschenschaften die Wahl der Bezeichnung als deutsch, akademisch, schweizerisch etc. freigestellt werden. In der vorgelagerten Ringtagung des RKDB verhinderte eine nationalistische Sperrminorität gegen die Abschaffung des Deutsch im Verbandsnamen die nötige Vierfünftels-Mehrheit für die Annahme der Reform während anderthalb Tagen. Am zweiten Tag schritt deshalb die Vorortsburschenschaft KDB Sigfridia ein und unterbrach die Ringtagung des RKDB zugunsten der Eröffnung der Ringtagung des RKB. Darin hatte jeder Landesverband nur zwei Stimmen und die Reform wurde angenommen. Da der RKB keine Befehlsgewalt über seine Landesverbände hatte, sondern lediglich ein Bindeglied freier und eigenständiger Burschenschaften zur Förderung des freundschaftlichen Zusammenhaltes darstellte, konnte die Reform nicht durchgesetzt werden. Mit darauffolgenden Rücktritt des Glanzenburgers Adolf Alois Steiner als Ring-Schriftleiter im Jahr 1968 setzte der allmähliche Ausstieg der KB Glanzenburger aus dem RKB ein.

Neuausrichtung: 1973 bis 1976

Im Anschluss an den Ausbruch der Studentenunruhen von 1968, wurde der Zürcherische Corporationen Verband (CV) 1969 aufgelöst. In dieser Zeit bestand aber auf Seiten der Verbindungen der Bedarf nach einem handlungsfähigen Verband, der ihre Interessen als Gegengewicht zu linken Studentengruppierungen zu wahren vermochte. Die Initiative zur Gründung eines neuen Verbandes für die farbentragenden Verbindungen Zürichs ergriff die KB Glanzenburger im Wintersemester 1971/72. In der Folge gründeten, die Helvetia, die AKV Kyburger und die KB Glanzenburger die Vereinigung Couleurtragender Corporationen (VCC). Bereits nach dem Sommer 1973 ging aber nicht mehr viel Aktivität vom VCC aus und so ergriffen im November 1974 die farbentragenden Verbindungen ALV, SHV Rhodia, AV Welfen und Carolingia die Initiative zur Neugründung eines handlungsfähigen Corporationen Verbandes. Die KB Glanzenburger unterstützte von Anfang an die neue Initiative. Am 3. Februar 1976 fand die Gründerversammlung des Corporationen Convent Zürich (CCZ) statt, welchem die KB Glanzenburger am 19. Juni 1976 beitrat.

Bundesbrüderlicher Handschlag mit dem Schweizerischen Studentenverein

Persönliche Kontakte zwischen Mitgliedern des Schweizerischen Studentenvereins und der KB Glanzenburger trugen im Verlauf der 1960er Jahre dazu bei, dass sich ihr anfangs schwieriges Verhältnis entspannte. Der Austritt aus dem RKB und der Tod von Gründerbursche Rimli im Jahre 1973 führten zur Neuausrichtung der KB Glanzenburger auf den Schweizerischen Studentenverein hin. Der neue Altherrenpräsident Fritz Bättig trat am 8. August 1974 mit dem damaligen Präsidenten des StV-Altherrenbundes Hans Bernet in Kontakt und nahm anschliessend auf offizielle Einladung hin am Zentralfest Baden von 1974 teil. 1975 wurde die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen zum Schweizerischen Studentenverein beschlossen. Bezüglich Mitgliedschaft wurde vereinbart, dass alle aktiven Burschen automatisch Mitglieder des Schweizerischen Studentenverein werden, Altherren diese Entscheidung aber freigestellt würde.

Hinsichtlich der Farben der KB Glanzenburger, die vom Schema des Schweizerischen Studentenvereins roter Mützen zu rot-weiss-grünen Bändern abwichen, wurde vom Schweizerischen Studentenverein eine Farbenvariante gestattet, die unter grösstmöglicher Beibehaltung der ursprünglichen Farben der KB Glanzenburger die Zugehörigkeit zum Verband signalisieren sollte. Die Lösung bestand darin, das blaue Hinterkopf-Couleur der KB Glanzenburger durch ein weinrotes Couleur zu ersetzen und zusätzlich hinter den Bändern der Burschenschaft die Bänder des Schweizerischen Studentenvereins zu tragen. Am ausserordentlichen Cumulativ Convent vom 15. Mai 1976 wurde der Beitritt zum Schweizerischen Studentenvereins beschlossen und am 16. Juli 1976 am Zentralfest Altstätten erfolgte die Aufnahme.

Umbenennung in AB Glanzenburger

Die Frage nach dem Sinn des Katholischen im Namen der Burschenschaft wurde häufig aufgeworfen. Zahlreiche Diskussionen ergaben, dass man katholisch im altgriechischen Sinn als allumfassend verstand, sowie als Bekenntnis zur christlich abendländischen Tradition. Im Februar 2012 erfolgte die Umbenennung in Akademische Burschenschaft der Glanzenburger zu Zürich. Begründet wurde der Schritt damit, dass «Katholisch» ein falsches Bild von der Burschenschaft vermittle, da die interne Interpretation als allumfassend für Aussenstehende nicht offensichtlich sei und die Konfession noch bei keinem Kandidaten ein Argument gegen seine Aufnahme dargestellt habe.

Besonderheiten

Landesvaterstechen

Das Landesvaterstechen ist eine Tradition, die bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückreicht und der Huldigung von Landesfürst und Vaterland durch farbentragende studentische Landsmannschaften, sowie durch Offiziere diente. Dabei werden die Mützen aller Teilnehmer des Landesvaterstechens während des Landesvater Cantus auf spitze Degen aufgestochen, «geweiht» und anschliessend den sich gegenüberstehenden Stechenden wieder auf den Kopf gesetzt. Die Glanzenburger kamen mit dieser Tradition an ihrem ersten Stiftungsfest 1960 über katholische Burschenschafter aus Österreich in Kontakt. Die KB Glanzenburger fand Gefallen am Landesvaterstechen als Bezeugung bundesbrüderlicher Treue, musste das Ritual aber von einer Treuebezeugung gegenüber dem deutschen Vaterland in eine Treuebezeugung zur Schweiz uminterpretieren.

Mütze der AB Glanzenburger mit zahlreichen Landesvater Stickereien

Burschenschaftliches Prinzip und Lebensbund

Aufgrund des burschenschaftlichen Prinzips der AB Glanzenburger sind Aktivitas und Altherrenschaft keine getrennten Vereine, sondern in einem einzigen Verein zusammengefasst. Dies ist in der Schweizer Verbindungslandschaft sehr selten und gilt im Schweizerischen Studentenverein als Alleinstellungsmerkmal der AB Glanzenburger. Das burschenschaftliche Prinzip widerspiegelt den Gedanken des Lebensbundes der der Verbindung zu Grunde liegt.

Öffentliche Wahrnehmung

In den 2010er Jahren war die AB Glanzenburger vermehrt und teilweise auch sehr kontrovers in den Schweizer Medien vertreten. Unter anderem wurde die Aktion "Ein Prosit für jeden Fan", bei der es darum ging jedem Facebook Fan zuzuprosten in der Tageszeitung 20 Minuten besprochen. [1] Auch die Wettbewerbsteilnahme von drei Glanzenburgern an der Schweizer Aussscheidung zum Eurovision Song Contest 2014 unter dem Bandnamen "Arxplendida" resultierte in einem grossen Medienecho. Die vielfältige Berichterstattung führte zu einem der besten Internetvoting Ergebnisse und zum Erreichen der Schweizer Zwischenrunde. [2]. Wohl am kontroversesten diskutiert wurde die Spendensammelaktion im Jahr 2016 unter dem Titel "Saufen für den Frieden" bei der für das Schweizerische Rote Kreuz 10'000 CHF gesammelt wurden. Die Mitglieder der AB Glanzenburger verpflichteten sich pro eingegangenen 10 Schweizerfranken ein Deziliter Bier an einem Abend zu trinken. [3] Die Meinungen zur Aktion gingen hier sehr weit auseinander. Während die einen es als gelungene, spassige und innovative Sammelaktion ansahen, kritisierten es andere als Verherrlichung des Alkoholmissbrauchs und Nonsens.

Datei:CD Cover Arxplendida.jpg
CD Cover des Songs "Mercurii Diei

Engagement im Dachverband

Die AB Glanzenburger engagierte sich seit den 80er Jahren und insbesondere seit der Jahrtausendwende im Schweizerischen Studentenverein (Schw. StV).

Jahr Name Organ im Schw. StV
1984/85 Christoph Rohr v/o Turbo Mittelschul-CC
2003/04 Marco Kneubühler v/o Gin Zentralaktuar
2009/10 Christof Raschle v/o Pfupf Vizezentralpräsident
2011/12 Silvan Weber v/o Schärbe Vizezentralpräsident
2012/13 Matthias Günter v/o Kontext Zentralaktuar
2013/14 Titus Mäder v/o Immun CC
2015/16 Tobias Morf v/o Bonus CC

Bekannte Mitglieder (Auszug)

Siehe auch

Weblinks

Literatur

Einzelnachweise

  1. Studenten planen ein Prosit auf jeden, 20minuten, abgerufen am 18. Oktober 2016
  2. Das sind die Schweizer «Lordis», blick.ch, abgerufen am 18. Oktober 2016
  3. Studenten betrinken sich für den Frieden, 20minuten,abgerufen am 18. Oktober 2016