Akademische Verbindung Agraria München-Weihenstephan

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Akademische Verbindung Agraria München-Weihenstephan
A.V. Agraria Wappen
Hochschule
Gründungsdatum
1. Juli 1891 in München
Standort
Dachverband
Keiner
Wahlspruch
Burschenband
Fuchsenband
Website

Die Akademische Verbindung Agraria (A.V. Agraria e.V.) ist eine gemischte, nichtschlagende, farbentragende Studentenverbindung am Universitätsstandort Freising. Ebenso ist sie politisch und konfessionell ungebunden. Sie vereint Studentinnen und Studenten sowie Alumni aller Fakultäten von Universität (Technische Universität München, Ludwig-Maximilians-Universität München) und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Weihenstephan-Triesdorf am Campus Freising-Weihenstephan.

Ihr Ziel ist unter anderem die Pflege lebenslanger Freundschaft nach dem Lebensbundprinzip. Die Mitglieder werden als "Agraren" bezeichnet.

Geschichte

Gründung

Am 1. Juli 1891 wurde die Urform der heutigen Verbindung als "Akademisch Landwirtschaftlicher Verein München" in der Landeshauptstadt gegründet. Zuvor war 1872 eine Landwirtschaftliche Abteilung an der Technischen Hochschule München (heute: Technische Universität München) für das Studium der Agrarwissenschaften eingerichtet worden. Vermutlich mit dem Ziel, schneller an der Hochschule Fuß zu fassen, trat der Verein im Jahr 1892 dem, seit 1882 bestehenden Verband Akademisch Landwirtschaftlicher Vereine an Deutschen Hochschulen bei, dessen Mitglieder meist eine Mittelstellung zwischen wissenschaftlichem Verband und studentischer Korporation einnahmen. Deshalb führte der Fachverein bereits in den ersten beiden Jahren korporative Elemente wie ein Wappen, den Wahlspruch "Einigkeit macht stark!", den Zirkel und die heute noch gültigen Farben schwarz-gold-hellblau ein. Im Jahre 1894 wurde, Kartellvereinen anderer Hochschulen folgend, der Name Agraria angenommen. Weiterhin folgten 1907 die Einführung dreier Chargen, Convente, Kneipen und der unbedingten Satisfaktion mit regelmäßigem Paukbetrieb. Neben dem Fechten wurde großen Wert auf fachliche Vorträge von Vereinsmitgliedern und gemeinsame Nachmittage in wechselnden Gaststätten gelegt.

Die Einweihung eines Vereinsheimes in der Bräuhausstraße gegenüber dem Hofbrauhaus erfolgte 1913.

Während des Ersten Weltkrieges wurde der aktive Betrieb eingestellt und der Zusammenhalt des Vereines konnte nur während der Fronturlaube einzelner Mitglieder gepflegt werden. Im Krieg sind 15 Bundesbrüder gefallen

Zwischen den Kriegen

Nach dem Ersten Weltkrieg wandelte sich der Verein 1919 definitiv zu einer Studentenverbindung und benannte sich in Akademische Landwirtschaftliche Verbindung Agraria München um. Im selben Jahr trat sie den Naumburger Delegierten Convent bei. Damit einher geht 1921 die Einführung des Vollcouleurs, die Dichtung des Bundesliedes und 1923 die Bestimmungsmensur. Auf Empfehlung des mittlerweile umbenannten Naumburger Senioren-Convents folgte 1928 die Änderung in Corps Agraria München.

Derweil entstand 1919 eine zweite Hochschule für Landwirtschaft in Freising-Weihenstephan.[1] Aus regelmäßigen Treffen zwischen einigen Münchner Korporierten und Freisinger Landwirtschaftsstudenten ging schließlich 1921 die Akademische Landwirtschaftliche Verbindung Agraria Weihenstephan als eigenständiger Bund und Mitglied des Naumburger Senioren Convents hervor. Diese Verbindung führte die Farben Dunkelblau-Gold-Hellrot in Vollcouleur. Zum Wintersemester 1930/31 wurde das Studium in Weihenstephan zugunsten des Standorts München wieder eingestellt.[2] Daraufhin fusionierten die beiden Bünde und weihten 1931 ein Bundesheim in der Hohenzollernstraße in München-Schwabing ein. Aufgrund des politischen Drucks sahen sich die Agraren 1934 gezwungen, ihr Corps in Landständische Kameradschaft Agraria umzubenennen. Da die Einführung des Führerprinzips, der Beitritt der Aktivitas zum NS-Studentenbund und die Übernahme der nationalsozialistischen Ideologie abgelehnt worden war, wurde der Corps 1936 suspendiert und das Bundesheim verkauft. Stattdessen wurde 1937 unter der Leitung von AH Dr. Poelt die Lose Vereinigung Münchner Agraren gebildet - ohne eine Registrierung oder Beitragserhebung. Deren Mitglieder trafen sich bis zum Kriegsausbruch 1939 zum monatlichen Bierabend im Gasthaus Augustiner in der Münchner Innenstadt. Nach dem Krieg blieb der Stammtisch weiter Treffpunkt für die Überlebenden. 55 Bundesbrüder haben den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt.

Ende Zweiter Weltkrieg bis 1971

Die Universitätsgebäude in München wiesen starke Kriegsschäden auf, deshalb wurde zum Wintersemester 1945/46 in Weihenstephan das Landwirtschaftsstudium wieder aufgenommen. Einige Jahre nach dem Krieg lockerte die amerikanische Besatzungsmacht ihre restriktive Einstellung gegenüber Studentenverbindungen. Daraufhin wurde unter Federführung des damaligen Studenten und späteren Bundeslandwirtschaftsminister Josef Ertl sowie dem AH Dr. Hans Poelt eine Wiedergründung als Akademische Verbindung Agraria München-Weihenstephan angestoßen und am 31. August 1949 auf dem ersten Nachkriegsconvent beschlossen.

Das heutige Bundesheim in der Oberen Domberggasse

Die ersten beiden Jahre gehörte die Verbindung keinem Dachverband an, bis man im Jahr 1952 offiziell dem neugegründeten Coburger Convent beitrat. Als erste Freisinger Verbindung nach dem Krieg verfügte die Agraria ab 1954 über ein Bundesheim, Colosseum genannt, in der Innenstadt.

Die sinkende Anzahl von Neubeitritten, die zunehmende Ablehnung der Bestimmungsmensur durch die Aktivitas und die finanzielle Belastung durch den Mitgliedsbeitrag des Dachverbandes führten 1956 zu dem Entschluss wieder aus dem Coburger Convent auszutreten. Bis heute bleibt die Verbindung verbandslos. Trotz des Austritts blieb die seit 1913 andauernde freundschaftliche Beziehung zur Akademischen Verbindung Agronomia Stuttgart-Hohenheim bestehen und wurde, nach mehreren gemeinsamen Veranstaltungen wie beispielsweise einer Kreuzkneipe (1962), in einem Freundschaftsvertrag am 14. Februar 1966 dokumentiert.

Im Jahre 1969 wurde das Tragen von Vollcouleur gelockert - seitdem muss außerhalb von hochoffiziellen Veranstaltungen nur das schwarz-gold-blaue Band getragen werden.

Mit dem überraschenden Verkauf und anschließenden Abriss des Colosseums durch den Eigentümer verloren die Agraren 1968 vorerst ihr Bundesheim. In den folgenden Jahren fanden die Verbindungstreffen in wechselnden Gasthäusern statt, bis 1971 das heutige Agrarenhaus in der Oberen Domberggasse eingeweiht werden konnte.[3][4]

Seit 1971: Wandel und Reformen

Das 100-jährige Bestehen wurde 1991 symbolisch in den beiden Gründungsstädten München und Freising gefeiert. Im selben Jahr beschloss die Verbindung mit dem Wandel der Zeit die vollwertige Aufnahme von Studentinnen in ihre Reihen und ändert diesbezüglich 1992 ihre Geschäftsordnung. Seit 2001 besteht die Aktivitas nicht mehr nur aus Landwirtschaftsstudenten, sondern setzt sich gleichermaßen aus Studentinnen und Studenten aller Fachrichtungen von Universität und Fachhochschule zusammen.

Im Juni 2012 wurden feierlich 75 Jahre Stammtisch im Augustiner in München begangen. Der 1937 eingeführte, monatliche Bierabend besteht fort bis zum heutigen Tage. Die Freundschaft zwischen A.V. Agraria und A.V. Agronomia Stuttgart Hohenheim wurde 2006 erstmals durch ein gemeinsames Stiftungsfest in Regensburg zelebriert, weitere folgten 2010 in Friedrichshafen sowie 2014 in Würzburg. Im Januar 2016 wurde das Jubiläum 50 Jahre Freundschaft Agraria et Agronomia zusammen in Hohenheim gefeiert.[5]

Kennzeichen

Farben

Die Farben der Verbindung tragen die ursprüngliche Bedeutung: Schwarz - Vaterlandsliebe, Gold - Wissenschaft, Blau - Treue. Von den Füchsen wird das zweifarbige schwarz-blaue Band getragen, mit Beginn der Burschenzeit wird das dreifarbige Band überreicht.

Zirkel der A.V. Agraria

In der frühen Geschichte der Verbindung sind zumindest bis 1924 zahlreiche Mehrbandträger unterschiedlichster Bünde dokumentiert. Heute ist eine Doppelmitgliedschaft nur bei der Freundschaftsverbindung A.V. Agronomia Stuttgart-Hohenheim möglich.

Zirkel

Der Zirkel enthält die Anfangsbuchstaben des Wahlspruches Vivat, Crescant, Floreant Agraria (in aeternum). - übersetzt: Es lebe, wachse, blühe die Agraria (bis in die Ewigkeit).

Wappen

Im vollständigen Wappen werden an den Federn und Blättern die Farben gezeigt. Das Schild beschreibt die wichtigen Daten der Verbindung. Links oben zeigt ein Lorbeerkranz mit zwei gekreuzten Schlägern, dass die Verbindung einmal schlagend war. Zusätzlich ist das Gründungsdatum vermerkt. Das Münchner Kindl (r.o.) verdeutlicht, dass die Verbindung in München gegründet wurde und somit eine bayerische Verbindung ist, was die weißblauen Rauten und der bayerische Wappenlöwe verdeutlicht (r.u.). Das Feld links unten zeigt noch einmal die Farben und den Zirkel der A.V. Agraria.

Mitglieder

Ehrenmitglieder

In den frühen Jahren des Verbandes wurden mehrere Personen zu Ehrenmitgliedern ernannt. Sie sind zumeist selbst keine aktive Mitglieder in Form von Studenten gewesen, wurden aber aufgrund ihrer Unterstützung für das aktive Vereinsleben beispielsweise durch Vorträge oder Spenden mit der Verleihung dieses Titels gewürdigt.

Agrare Josef Ertl, Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten von 1969-83

Bekannte Agraren

  • August Frankau (1878-1933) - Obermedizinalrat, Umfangreiche Verdienste bei humanitären Hilfsorganisationen wie bsp. Bergwacht
  • Heinz Henseler (1885-1968) - Tierzuchtwissenschaftler (Uni Halle-Wittenberg)
  • Leopold Krüger (1901-1974) - Professor für Tierzucht und Milchwirtschaft [8]
  • Herbert Morgen (1901-1996) - Agrarsoziologe
  • Gerhard Voigtländer (1912-2003) - Professor für Pflanzenbau- und Grünlandlehre, Wegbereiter der Gründlandökologie
  • Josef Ertl (1925-2000) - Politiker (FDP), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft
  • Nikolaus Aidelsburger (1936-2012) - Kommunalpolitiker (CSU), Erster Bürgermeister der Gemeinde Oberhaching 1966-2002
  • Klaus Guthy (* 1939) - Ehemaliger Professor für Milchwissenschaft an der TUM
  • Edgar Weigand (* 1938) - Ehemaliger Professor für Tierernährung und Ernährungsphysiologie (Uni Gießen)
  • Hermann Seufert (* 1940) - Ehemaliger Präsident des Hessischen Landesamtes für Ernährung, Professor für Landtechnik an der Universität Giessen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Geschichte Weihenstephans - Internetseite über die Geschichte des Hochschulstandortes Freising - Weihenstephan. Aufgerufen am 02. Juni 2016.
  2. Zeittafel: Entwicklung des Hochschulstandortes Weihenstephan - Internetseite des Wissenschaftszentrums Freising-Weihenstephan der Technischen Universität München. Aufgerufen am 02. Juni 2016.
  3. A.V. Agraria e.V. : Geschichte der Akademischen Verbindung München-Weihenstephan 1891-1971, München-Weihenstephan 1972.
  4. A.V. Agraria e.V.: Festschrift zum 100. Stiftungsfest der Akademischen Verbindung Agraria München-Weihenstephan Juli 1991, Freising 1991.
  5. A.V. Agraria München-Weihenstephan: Akademische Verbindung Agraria. München-Freising-Weihenstephan. 1891-2011. Chronik zum 120. Stiftungsfest , Freising 2011
  6. Heider, Maximilian (Max) David Christian von - Biographie von Max von Heider auf der Webseite der Universität Magdeburg. Aufgerufen am 02. Juni 2016.
  7. Geschichte des Instituts für Tierpathologie - Informationen zu Theodor Kitts Wirken an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Aufgerufen am 02. Juni 2016.
  8. Prof. Dr.-Ing. Leopold Krüger - Lebenslauf von Leopold Krüger auf der Internetseite der Universität Leipzig. Aufgerufen am 2. Juni 2016.